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Die Beziehung von Lucas Cranach und Martin Luther im Spiegel der beginnenden Reformation


Die Beziehung von Lucas Cranach und Martin Luther im Spiegel der beginnenden Reformation

Einleitung

Die Beziehung zwischen einem Maler und einem humanistischen Reformator zu schildern, bedarf der Beleuchtung des gesamten Umfeldes dieser beiden Groften. Wir verhandeln hier Kunstgeschichte unter spezifischen historischen Bedingungen, die fQr die religionswissenschaftliche Betrachtung ausschlaggebend sind.

Zum Kennenlernen beider Lebenswege mQssen biographische Eckdaten herangezogen werden. Beim Maler kann man diese mit einigen seiner Selbstportrats, die bestimmte Entwicklungsphasen markieren, in Verbindung bringen. Dabei fallt auf, dass man Qber den jungen Cranach bis zum 30. Lebensjahr fast keine Kenntnisse hat. Sonst spielen vor allem die Auftraggeber eine wesentliche Rolle. Beim Reformator geht es darum, den theologischen Werdegang in Abhangigkeit seines Bildungswegs und folgenreicher Handlungsmomente zu beleuchten. Der Kontakt zu Forderern und Wegbegleitern ist dabei pragend.

Da Luthers und Cranachs Kontakt eher im Privaten dokumentiert ist, wurde ihre dennoch bestehende Arbeitsbeziehung weniger in Schriftwechseln, wie bei anderen Wegbegleitern, als in faktischen Arbeitsergebnissen wie Bildern und Buchdrucken sichtbar.

Die Unkenntnis Qber Cranachs erste Lebensjahre ist hier vernachlassigbar, da der Maler elf Jahre alter als der Reformator war und einige Jahre vor ihm in die Residenzstadt Wittenberg kam. Die gegenseitige Wahrnehmung konnte Qber annahernd zehn Jahre reifen, bevor die Wege beider Manner zusammenliefen.

Vorstellung des Malers Lucas Cranachs anhand seiner Selbstportrats

Als der Maler Lucas Cranach, genannt der Altere, 1553 in Weimar als sдchsischer Hofmaler, zuletzt unter Fbrst Johann Friedrich I. starb, hatte er eines der spannendsten Kapitel der deutschsprachigen Geistesgeschichte erlebt und nicht wenig zu ihr beigetragen. Dies war im Jahr seiner Geburt, 1472 in Kronach, im FQrstbistum Bamberg, kaum vorherzusehen. Vor allem die Anfangsjahre bergen trotz

46 seiner ungewohnlich reichen Bildhinterlassenschaft einige Ratsel. Cranachs langes Leben ist eine der Voraussetzungen fbr seine auЯergewцhnliche Zeugenschaft an den Ereignissen. Nach einer ersten, nur durch Werke belegten, den humanistischen Ideen verpflichteten Wiener Zeit von 1501 bis 1503 vermogen seine zahlreichen Bilderfindungen doch nicht die fehlende schriftliche Dokumentation seiner kQnstlerischen Absichten und Ziele zu ersetzen. Die zuvor bereits erworbene, offensichtliche Qualifikation nutzte ihm sicherlich zur Berufung an den jungen, sдchsischen Hof in Wittenberg im Jahr 1504. Hier mag Aufbruchstimmung geherrscht haben, doch wbtete immer auch die alles erschwerende Pest, wenn auch nicht in fataler Form. Man sieht in den Leistungen Cranachs gerne den gewandten bQrgerlichen KQnstler und generell den Meister des Holzschnittes, als der er durch den vaterlichen Betrieb in Kronach ausgebildet war. Die Lehre muss angesichts seiner Wiener Werke ausgezeichnet gewesen sein, doch Cranachs Vater galt als Handwerker, Cranach selbst auch. Noch gab es in deutschen Landen kein verbreitetes kbnstlerisches Selbstverstandnis. Erst Albrecht Dbrer begann dies mittels seiner Bildinhalte am lautesten einzufordern. So erklart sich vielleicht, dass Cranach, der sich nach seiner Heimatstadt nannte, Wappen, Privilegien und Grundbesitz sammelte. Doch sprach er auch Latein, hatte also Bildung, wie Karlstadt bezeugte. Die Chronik verzeichnet: fbr 1508 den Wappenbrief mit der geflbgelten Schlange vom Kurfbrsten, 1508 Heirat mit einer Ratsherrentochter aus Gotha, im Jahr zuvor und 1512 erneut Erwerb von Grundbesitz in der Reichsstadt Wittenberg, nun mit groHem Neubau, 1512, rechnungsbelegte Lizenz zum Wein- und Bierhandel mit dem Fbrstenhof, 1520 Apothekerprivileg mit Monopol auf Arzneien, Weine, Gewbrze und Farben, 1523-26 Buchdruckerei und Verlagsausbbung. Daher verwundert es nicht, dass er 1528 Wittenbergs reichster Bbrger war. Von 1519 an bis 1547 war Cranach dauerhaft Ratsherr und von 1537 an dreimal, mit Unterbrechungen, Bbrgermeister der Universitatsstadt. Dennoch suchte er auch im hohen Alter das Privileg des Hofmalers nicht zu verlieren. Mit seiner Berufung durch den sachsischen Kurfbrsten Friedrich I., den Weisen, vor allem durch sein hier stattfindendes Zusammentreffen mit Martin Luther, der seit 1508 an der Universitat war, wurde Cranachs Werk eine weitere Komponente gegeben. Neben der klassischen h^ischen Malerei, die Jagdbilder oder antikisierende Inhalte nach der neuen Mode erforderte, diverse Andachtsbilder, weltliche oder klerikale

Fbrstenportrflts hervorbrachte, entwickelte er namlich Formen fQr protestantische Bildnisse der ersten Stunde. Deren Kriterien sind anderweitig herausgearbeitet worden, z. B. sehr grundlegend bei Christoph Weimer. Gewiss ist, dass eine Ubergangszeit, ein sozialer Umbruch in diesem ungekannten Ausmaft nach Formen suchte, aus dem Sehgewohnten Ubersetzungshilfen baute und versuchte, neue Maftstabe anzulegen. Etwas in der Bildsprache musste Deutsch werden, zumindest lqsten deutsche Inschriften die lateinischen ab.

Lucas Cranach zeichnete sich als Maler unter anderem durch Selbstbildnisse aus. Er wahlte von frnh an eine nicht ungewohnliche Form seiner Zeit, in thematisch komplexen Altar- oder Andachtsbildern, durch sein am Bildrand eingefQgtes Selbstbildnis eine Art von Zeugenschaft fQr den abgebildeten Inhalt abzulegen. So steht er am linken Bildrand eines sogenannten Sippenbildes grofteren Maftes 80,5 x 70,5 cm, Ц1 auf Holz, signiert und datiert im Jahr 1510, gemalt in Wittenberg, heute in der Akademie der Bildenden KQnste, Wien. Dies ist sein frbhestes bekanntes Bildnis und gehqrt zu einer Altersphase um die vierzig Jahre.

Das gewahlte Motiv fallt mit Lucas Cranachs eigener FamiliengrQndung zusammen. Seit 1508 mit Barbara Brengbier verheiratet, hatte sie 1510 den altesten Sohn Hans geboren. Das Bildthema in Verbindung mit seinem Selbstportrat setzt die eigene Abstammung in eine Linie mit der Familie Christi. Im Falle von Bildstiftungen wurde die Stifterperson im gleichen oder verkleinerten MaЯstab auf einem Seitenflbgel oder auch innerhalb der Tafel hinzugefbgt. Das tatsдchlich sehr beliebte Bildthema stellte im Jahr 1510 auch ein besonderes Glaubensbekenntnis am Hofe Friedrich des Weisen dar. Denn die im Zentrum der Heiligen Sippe stehende Hl. Anna wird im April 1510 Anlass einer ihr geweihten Messe an der Wittenberger Stiftskirche. Ihre Fingerreliquie ist kostbarer Teil der berbhmten Sammlung Friedrich des Weisen. Seit 1477 die unbefleckte Empfangnis Annas von Tochter Maria zum Dogma erhoben ist, ist dieser Wert noch gestiegen und macht den besonderen, durch Pabst Julius II. gewдhrten Ablass bei Teilnahme an dieser Messe deutlich.

Eine komplexere Komposition als das Familienbild stellt die zeitlich nahe „Enthauptung Johannes des Taufers" als linke Doppeltafel zusammen mit dem rechten Pendant „Martyrium der heiligen Katharina" dar, datiert 1515, geschaffen fQr den FUrstbischoff von OlmUtz, heute im Obresnf Museum Kromerfz, Erzbischцfliches Palais in Kremsier, und mit 84,5 x 58 cm anschaulich groftformatig.

Die Ansicht zeigt Cranach erneut als stillen Zeugen, vollfigurig im vorderen linken Bildteil neben dem Wittenberger FUrstenwappen und im schon bekannten Habit des Wiener Bildnisses: mit roter, geschlitzter Malerkappe und geschlitztem, gelben dreifachem Wulst des Wamses am Halsausschnitt, hier mit Eisenfaust die Lanze haltend, welche das Schwert des Henkers im Zentrum kreuzt. Er blickt den Bildbetrachter fest an, im Glauben fest, doch zu spat: Auf der Platte, von Salome gehalten, liegt der bereits abgetrennte Kopf Johannes des Taufers. Die geschlitzte Kleidung hatte prinzipiell etwas Verwegenes an sich. Sie wurde gegen Cranachs Lebensende in de ersten Wittenberger Kleiderordnung an der University verboten.

Die zweite Phase der Selbstbildnisse zeigt den etwa Sechzigjahrigen, einmal als selbststandiges Brustbild, mit 45,2 x 36 cm ein fast lebensgroftes Olbildnis, datiert 1530 (Inv.Nr. 66, Nr. 304), meisterlich fein ausgearbeitet, in pelzbesetzter Schaube eines Ratsherrn. Es befindet sich auf Schloss Stolzenfels, eingehend besprochen von Werner Schade. Dieses wie eine Vorlage wirkende Motiv erscheint erneut am linken Bildrand in einer Doppeltafel von 1531, Gotha, Stiftung Schloss Friedenstein, Gemaldesammlung, Inv. Nr. SG 674. Dieses Mal ist das Portrat unzweifelhaft bereits im Original innerhalb der Figur des bezeugenden Malers vom Bildrand und Rahmen Qberschnitten. Sichtbar ist ein Auge des KQnstlers, das zweite bereits auf dem inneren Nutrahmen, doch aufgrund des groften Tafelformats von 98,5 x 72,5 cm ist eine relativ feine AusfQhrung des verbliebenen Gesichts zu erkennen, wie auch des weiteren Bildpersonals. Das Bildprogramm, dessen Erlauterung ich nicht vorweg nehmen mochte, ist hier am deutlichsten als reformatorisches zu lesen, denn inzwischen hat sich eine Ablosung im Glauben der Wittenberger FQrsten und Auftraggeber vollzogen. Johann der Bestandige stellte nach dem Ableben Friedrich des Weisen im Jahr 1526 die landesherrliche Organisation zum Protestantismus im Sinne Luthers und Melanchtons um, ebenso geschah es im angrenzenden Hessen, Lbneburg, Mansfeld und im Franken der Hohenzollern.

Weitere Bildnisse des Malers sind hier nicht relevant.

Biografische ДппдИегипдеп und bberschneidungen von Cranach und Luther innerhalb der politischen Gesamtlage

Beleuchten wir zunachst die erste Weggenossenschaft der beiden Мдппег in Wittenberg. Martin Luther wurde 1483 in Eisleben in der Grafschaft Mansfeld geboren. Die Familie konnte ihre Herkunft sogar auf ein Adelsgeschlecht um 1300 in Gro Яenlьder zurbckfbhren, doch Luthers Vater Hans hatte es selbst vom einfachen Bauer und Bergmann bis zum Mineneigner und zuletzt Ratsherr in Eisleben gebracht. Martin Luther erhielt eine umfassende Schulbildung, so dass er im 18. Lebensjahr flieЯend die lateinische Sprache gebrauchen konnte. Im Jahr 1505 legte er den Magister artium in den artes liberales an der University zu Erfurt ab. Ein noch angehangtes juristisches Studium unterbrach Luthers innere Berufung M^ch zu werden noch im selben Jahr und zog ihn in das Erfurter Kloster der Augustiner Eremiten. 1508 versetzte sein Beichtvater von Staupitz den ewig Wissensdurstigen zum Theologiestudium an seinen Lehrstuhl nach Wittenberg, um ihn an seinen Zweifeln angesichts der menschlichen und eigenen Vergebungsfahigkeit arbeiten zu lassen. Im Jahr 1510 wurde er nach Erfurt zurbckbeordert. Entscheidend wurde ein Bildungsauftrag, der ihn nach Rom fbhrte, fbr seine weitere Entwicklung. Denn hier, am Mittelpunkt der katholischen Kirche hat er die Reality des Papsttums direkt vor Augen und begriff den Bibelvers bber die allein direkt wirkende Gnade Gottes als Gegenpunkt zu dem bis ins Extreme gesteigerten System des Ablasshandels, der Vergebung gegen Geld anbot. Diese geradezu kontextuelle Erkenntnis fbhrte ihn nach seiner Rbckkehr zu einem anderen Textverstandnis des neuen Testaments. Er bekam verantwortungsvolle Дmter bbertragen, die mit einiger Reisetatigkeit verbunden waren, und bbernahm 1512 den Lehrstuhl seines Mentors an der University Wittenberg. Aus den neuen Gedanken entsprang die reformatorische Bewegung. In Wittenberg erlebte er Spalatin und andere Professoren als seine bberzeugten Fbrsprecher, schlieЯlich auch vor dem Fbrsten. Bevor der katholische, jedoch sehr auf Ausgleich und Gerechtigkeit bedachte Kurfbrst Friedrich der Weise Luther direkt unterstbtzen und schbtzen sollte, versicherte er sich seiner Glaubhaftigkeit in der kritischen Abwagung bei Erasmus von Rotterdam, aber auch bei seinem Berater Philipp Melanchton.

Dieser, im Jahr 1497 geboren, entfaltete seine auЯergewцhnliche sprachliche und argumentative Begabung rasch. Durch die Heidelberger Disputationes auf Martin

Luther aufmerksam geworden, strebte Melanchton an die University nach Wittenberg, um 1518 den von Friedrich dem Weisen neu gestifteten Lehrstuhl der griechischen Sprache zu bbernehmen. Das Interesse aneinander beruhte auf Gegenseitigkeit. Luther bildete seine Griechischkenntnisse durch Melanchton fort, auch gewann sein Werk an Struktur durch den Einfluss des jungen Humanisten.

Verkbrzt lasst sich sagen, dass nach der yfentlichkeitswirksamen Bekanntgabe der 95 lateinischen Thesen Luthers gegen den Ablasshandel zur Anregung der disputatio sich indessen die Angriffe auf Luther so verdichteten, dass schlieЯlich am 3. Januar 1521 die pдpstliche Bannbulle „Decet Romanum Pontificem" gegen Luther in Sachsen und Brandenburg verkbndet worden war, wдhrend Friedrich sich in Кц1п bei Karl dem V. dafbr verwandte, Luther mbsse an einem der nachsten Reichstage geh^t und beurteilt werden.

Vom 4. Mai im Jahr 1521 an, nach dem Reichstag von Worms, gewahrte Friedrich dem Reformator kursachsischen Schutz, benannt als Schutzhaft. Luther berichtete bber diese nahe L^ung am 28.4.1521 aus Frankfurt in dem vielleicht einzig bekannten Brief an Lucas Cranach. Der fromme Katholik Friedrich der Weise agierte diplomatisch, Luther wurde aus dem Licht der ^entlichkeit auf die Wartburg nach Eisenach gebracht. Solange unterstellte Friedrich ihm die Unschuld bis zum Gegenbeweis. In Eisenach trat Luther nicht langer als M^ch auf, sondern als ziviler „Junker Ji^rg" mit Haupthaar und Bart, wie es auch Lukas Cranachs erstes gemaltes Bildnis aus diesem Jahr bezeugte. In Kursachsen gab es erste Reaktionen, andere M^che verlieЯen das Kloster, manche Theologen, die auch geweihte Priester waren, heiraten, so in Wittenberg selbst, wie Luther aus den regen Briefwechseln dieser Zeit mit den ihm vertrauten Kollegen der University erfuhr. Luthers bbersetzungen der Paulus-Briefe an Timotheus ergaben sogar ausdrbcklich schriftliche Belege gegen den bischylichen Zyibat. Den befreundeten Rektor und Priester Bartholomaus Bernhardi beglbckwbnscht Luther ausdrbcklich zu seinem mutigen Schritt.

Doch es gab dort auch extreme Gegenspieler wie Andreas Bodenstein aus Karlstadt, der fbr diese Betrachtung wie auch fbr die Folgen in der bildenden Kunst natbrlich maЯgeblich ist. Noch 1512 hatte er als Dekan der Theologie Martin Luther promoviert. Er bberrreagierte jedoch auf die sich ankbndigende Zeitenwende mit dem schriftlichem Aufruf „Von abtuhung der Bylder" zur Bildvernichtung im sakralen Raum. Gegen diese Wittenberger Bilderstbrmerei, die ihren allgemeinen Gipfel freilich erst noch erreichen sollte, stellte sich Martin Luther deutlich predigend bereits fbr einige Tage im Dezember, nicht zuletzt aber durch seine Rbckkehr nach Wittenberg im direkten Anschluss an diese Ver^fentlichung im Februar des Jahres 1522. Seine direkte schriftliche Reaktion, die namlich Luthers Verhaltnis zum Bild und damit auch zu Lucas Cranach darlegt, erfolgt unter Punkt 4. etwas genauer.

Wann eine Begegnung zwischen dem Suchenden und dem Wittenberger Hofmaler tatsachlich stattfand, wann schlieftlich die viel genannte Freundschaft begann, ist nicht zu datieren, der Quellenbeweis hierfbr fehlt. Jedoch konnen seit Martin Luthers Thesenveroffentlichung im Jahr 1517 gehaufte Begegnungen angenommen werden, die in der bildnerischen Zusammenarbeit in Form des mit Holzschnitten illustrierten „Septembertestaments", „Das Newe Testament Deutzsch", von 1522 ihren ersten Hohepunkt fanden. Das Neue Testament, das der Reformator wohl in nur elf Wochen aus dem Griechischen Obersetzt hatte, mit Nachbearbeitung von Philipp Melanchton und u.a. Caspar Kruciger, fand fortan seinen Vertrieb durch Lucas Cranach. Als Drucker war der Wittenberger Lohndrucker Melchior Lotter d.J. im Mai 1522 im Hause Cranach zugange. Die Auflage soll laut in Hohe von 30005000 Stock gewesen sein. Ihr folgte eine zweite Auflage, ein sogenanntes Dezembertestament noch im gleichen Jahr. Luthers Ubersetzung des Alten Testaments mit allen apokryphen Schriften forderte mit Ausgestaltung und Druck Zeit bis 1534. In der Zwischenzeit druckten vermehrt Cranach gemeinsam mit Christian Doring TeilstOcke des gesamten Projekts und gaben daneben eigenstandige Texte Luthers heraus.

In diesen Jahren ist vor allem auch der enge private Austausch der beiden Manner belegt. Im Jahr 1515 wurde im Hause Cranach Lukas d. J. geboren, dessen Bedeutung als reformatorischer Maler wir dieses Jahr zu seinem 500. Geburtstag wbrdigen. Doch erst bei Cranachs Tochter Anna, die im Jahr 1520 folgte, ist Martin Luther als Taufpate genannt - zu einer Zeit als der Reformator schon nahezu als Geachteter galt. Hier verdichtete sich gewiss der private Austausch, der sich geradezu familiar ausweitete. Nach der Flucht aus dem Kloster an Ostern 1523 beherbergte die Familie Cranach die 24-jahrige Nonne Katharina von Bora, die mit elf Gefahrtinnen das Zisterzienserinnenkloster Nimbschen bei Grimma aus Begeisterung fbr die Reformation verlassen hatte. Schon zur eigenen Existenzsicherung war Heirat das Mittel der Wahl. Sowohl Bora als auch Luther wurden zunachst mit potentiellen anderen Ehepartnern in Verbindung gebracht. Luther begegnete dabei der ehemaligen Nonne in der Funktion eines werbenden Vermittlers bei der Familie eines in Frage kommenden Wittenberger Studenten. Trotz ursprQnglich anderer Heiratsabsichten warb wiederum Lucas Cranach im Juni 1525 bei Katharina von Bora fQr den um 16 Jahre alteren Luther. Das Ehepaar Barbara und Lukas Cranach waren am 27. Juni 1525 schlieftlich neben dem Stadtpfarrer Johannes Bugenhagen und dem Juristen Johannes Apel die Trauzeugen der kurzfristigen Vermahlung, wozu von Luthers theologisch engstem Vertrauten Philipp Melanchton, der Satz Qberliefert ist, unerwarteter Weise habe Luther die Bora geheiratet, ohne auch nur seine Freunde Qber seine Absichten zu unterrichten. Melanchton pflegte zu Luther eine intensive, auch in die Freundschaft hineinreichende Arbeitsbeziehung. Er hatte durch seine „Loci communes" im Jahr 1521 den Lutherischen bisherigen Lehren und Schriften einen strukturierten Aufbau gegeben, der zur Verbreitung der Lehre stark beitrug. Durch den Ausschluss von Luthers privater Entwicklung fQhlte er sich vielleicht zurnckgesetzt, wie seine verstandnislosen Aufterungen anlasslich Luthers Hochzeit von 1525 belegen. Luther hatte auf Melanchtons EheschlieЯung im Jahr 1520 entschieden Einfluss genommen. Cranach war dagegen auch am 7. Juni 1526 mit Bugenhagen und Jonas gemeinsamer Pate des erstgeborenen Johannes Luther.

Der Luthersche Haushalt, dem wirtschaftlich klar Katharina vorstand, war in der Lage in Wittenberg und Umgebung Grundbesitz zu erwerben. Schon zur Hochzeit war dem Paar vom nachgefogten Kurfbrsten Johann das „Schwarze", ehemalige Augustiner-Kloster geschenkt worden. So fbhrte die junge Frau eine erfolgreiche Landwirtschaft mit Fischerei, die neben ihrer eigenen eintreffenden sechs^pfigen Nachkommenschaft, zu der eigene Verwandte wie auch Luthers Schwester mit ihren Kindern hinzukamen, jedoch auch rund vierzig zahlende Theologiestudenten beherbergte. Angeschlossen war sogar ein kleines Spital. Erst die spateren Religionsauseinandersetzungn, vor allem der Schmalkaldische Krieg, schadeten nach Luthers Tod am 18. Februar 1546 der Lebensgrundlage Katharina von Boras sehr.

Luther bliebe zeit seines Lebens lehrender Professor an der Wittenberger University. Solange er unter Reichsacht stand und das schbtzende Kursachsen nicht verlassen konnte, er sich anderen Ortes von Melanchton vertreten. So gelang schon 1519 die Zusammenarbeit anlasslich dessen intellektueller Unterstbtzung bei den Leipziger Disputationen mit dem pдpstlichen Legaten Johannes Eck. 1530 schlieЯlich wurde Melanchton durch seine stellvertretende Teilnahme am Reichstag zu Augsburg zur heute noch bedeutsamen „Confessio Augustana" angeregt. So wurde denn Philipp Melanchthon nach Luthers Tod zum wesentlichen Fbhrer der deutschen Reformation.

Voraussetzungen des kursachsischen Fbrstengeschlechts

In Wittenberg fiel die aufrQhrerische Lehre auf fruchtbaren Boden, was vor allem am FQrstengeschlecht der ernestinisch-thQringischen Wettiner gelegen haben muss. Friedrich war der erste Sohn des KurfQrsten Ernst, geboren 1463 auf Schloss Hartenfels in Torgau. Sein kursachsisches Herrschaftsgebiet entstand durch die Leipziger Erbteilung von 1485. Er trat am neuen Ort Wittenberg 1486 das Erbe an und teilte viele Entscheidungen mit seinem Bruder.

Im Jahr 1502 konnte die Universitat gegrundet werden. Der Einladung nach Wittenberg folgte eine geistige und kunstlerische Zusammensetzung an Denkern, die an neuen Entwicklungen, bei Pflege der humanistisch genannten Traditionen, auch des Griechischen, philosophische Texte wieder entdeckten und mit innovativen Gedanken verbanden. Hier fand ein Martin Luther andere Kopfe, die zur geistigen Auseinandersetzung bereit waren. Der Kurfbrst hielt sich stets im Hintergrund und folgte durchaus seinen eigenen Fr^migkeiten, aber auch fbrstlichen Lustbarkeiten oder gar Machtinteressen in Rom. Er bildete sich jedoch stets sein eigenes Urteil, indem er seine Berater konsultierte.

Einer von diesen, der Magister der artes liberales, Georg Burkhardt aus Spalt bei Nurnberg, war im Jahr 1503 an die Universitat gerufen worden. Als promovierter Humanist nannte er sich fortan Spalatin und avancierte zum Erzieher des fbrstlichen Neffen Johann Friedrich. Seine Laufbahn fuhrt zum engsten Berater des KurfQrsten, er wurde dessen geheimer Sekretar, GrQnder und Archivar der Bibliothek. Vor allem in Anstellungsfragen an der Universitat konnte sich der Fbrst auf ihn verlassen. Er setzte fQr das FQrstenhaus eine Geschichtsschreibung des frbhen Wettiner- Geschlechts in Form einer Chronik um.

Als Friedrich der Weise im Jahr 1525 starb, folgte ihm der wenig jbngere Bruder Johann, genannt der Bestandige, nach. Dem gegenQber stand in derselben Familie die albertinisch-meiftnischen Linie, deren Nachfolger von Ernstens Bruder Albert abstammten, unter ihnen der bestandig altglaubige Herzog Georg, spater genannt der Bartige, dessen Grabbild zwischen 1534 und 1539 jedoch die Cranach- Werkstatt lieferte.

SchlieHlich war es erneut Torgau, wo das Fbrstengeschlecht dem Reformator Martin Luther 1546 die Weihe des ersten protestantischen Kirchenneubaus nach eigenen Vorstellungen, namlich ihrer Schlosskapelle gewahrte. Hier konnten sich spater wichtige protestantische Bbndnisse zum Schutz der Glaubensfreiheit grbnden.

Situation Cranachs im Netzwerk katholischer und protestantischer Auftraggeber: zwischen Wettinern und Hohenzollern

Wie trug Cranach einer Zeit Rechnung, da er sich offensichtlich privat und in seinen bberzeugungen sehr eng dem Reformator Martin Luther verbunden sah, doch seine Stellung als Hofmaler eines noch katholischen Kurfbrsten keinesfalls aufzugeben gedachte. In dem bereits beschriebenen Kurzportrat Friedrich des Weisen erkennen wir eine moderate, dem modernen Wandel aufgeschlossene Pers^lichkeit. Ein Wandel, den seine Nachfolger in Wittenberg ab 1525 weiter vollziehen werden. Als Grund nennt Herbert Immenk^ter - hier nachfolgend interpretiert - h^hst plausibel den standesgemaHen mazenatischen Auftrag der Fbrstenfamilie. Doch gab es, innerhalb der Familiendynastie einen weiteren katholisch gebliebenen Zweig, der mbtterlicherseits Verbindung zu den Sachsen hatte. Dessen zwei Brbder der Kardinal Albrecht von Brandenburg sowie der altere Kurfbrst Joachim von Brandenburg in Berlin, sozusagen die Cousins zweiten Grades der Wittenberger Fbrstenbrbder sind. Den ersten Bildauftrag fbr Albrecht schnitt Lucas Cranach in Holz um 1514, noch anlasslich dessen Erlangung der Magdeburger Erzbischofswbrde. Er zeigt Albrecht zusammen mit seinem Vorganger Ernst von Magdeburg, dem verstorbenen, ein Jahr jbngeren Bruder Friedrichs des Weisen. Trotz des bemerkenswerten engen Familienzusammenhalts, war diese Nachfolge ein Konkurrenzerfolg der Brandenburger Hohenzollern, zumal Albrecht mit intensiver Unterstbtzung seines Bruders Joachim im Folgejahr dieses Bistum mit der

55 Nachfolge im Mainzer Bistum zusammenlegen konnte. Dieser Erfolg war dem Vorganger Ernst trotz intensiver Unterstbtzung von Friedrichs Seite nicht verg^nt gewesen. Die Hohenzollern lieЯen hierzu direkt vor Ort in Rom mit allen Mitteln die Дmter kumulieren, vor allem auch mit Mitteln des Augsburger Bankhauses Fugger, allerdings in Form eines Dreicksgeschafts. Die Einnahmen durch den Verkauf von Ablassbriefen auf Brandenburgischem Boden hatten der Refinanzierung zu dienen. Albrecht blieb auf lange Zeit bei den Fuggern und in Rom verschuldet, und zudem noch der ^fentlichen Kritik in Brandenburg wie auch Martin Luthers ausgesetzt, der den Finger in die Wunde legte. Dieses Vorgehen stieЯ den Reformator besonders ab, denn er hatte den jungen Albrecht 1517, als er ihm, neben anderen, seine Thesen zusandte, noch fbr annahernd integer gehalten. Immenk^ter geht so weit anzunehmen, dass vor allem diese geschaftliche Bindung an die katholische Kirche, einen Wechsel zum Protestantismus in Mainz, Magdeburg oder Halberstadt mit Sicherheit unterband. Umgekehrt war Albrecht im Dezember 1517 der Informant der r^ischen Kurie durch bbersendung des auch an ihn gerichteten Flugblattes der 95 Lutherischen Thesen zur Kenntnisnahme vom Treiben des Reformators. Spater beteiligte er sich jedoch nicht mehr aktiv am r^ischen Prozess gegen Luther.

Wie stand es also um die wahre Glaubensausrichtung, wie um die gesamte standespolitische Selbstsicht der Fbrsten seit etwa 1500? Man kann die These formulieren, dass trotz der gesuchten Konkurrenz zueinander, sich dennoch die Spaltung der Kirche noch nicht soweit manifestiert hatte wie z. B. in der Zeit nach dem Tridentiner Konzil von 1563. Noch verliehen Friedrich der Weise wie auch seine Nachfolger ihren bberaus geachteten Hofmaler zu Auftragen innerhalb der dynastischen Verwandtschaft.

Zusatzlich verbanden den 1463 geborenen Friedrich wie auch den viel spater, 1490 geborenen Albrecht laut Andreas Tacke bemerkenswerte Дhnlichkeiten trotz ihrer Unterschiede. Sie konkurrierten zeitgleich im Zuwachs ihrer prachtvollen teuren Reliquiensammlungen. Lucas Cranach stellte fbr ca. ein Viertel von Friedrichs Sammlung eine Art Katalog zusammen, das sogenannte „Wittenberger Heiligtumsbuch" von 1509/10. Friedrich ^Я seine Kollektion, deren Umfang 19013 Heiligenreste in kostbarsten Gehausen umfasste, ab 1522 unter dem Eindruck Martin Luthers nicht mehr jahrlich L^ffentlich in der Schlosskapelle zelebrieren. Fbr Albrechts 1

Lucas Cranach the Elder or the Younger

Self Portrait, 1550

Oil on wood, 67 x 49 cm

3526790-234950000Galleria degli Ufficie, Florence, Italy

-1955800-2702560002

Lucas Cranach the Elder

Caption of Christ with possibly self portrait,

1509, Passion of Christ

Wood cut, 25 x 17cm

3322955-270256000Basel, Kunstmuseum, Kupferstichkabinett 3242945-270002000Albrecht Durer Self portrait, 1498 Oil on wood, 52 x 40cm Museo del Prado, Madrid -49955450004

Lucas Cranach the Elder

Self portrait, 1530 Oil on wood, 45 x 36 cm Castle of Stolzenfels,

Rhineland Palatinate

Schloss Stolzenfelz bei Koblenz, Rheinland-Pfalz 120650005

Lukas Cranach the Elder Altarpiece of the holy familiy with self portrait, 1510

Oil on wood, 80,5 x 70,5 cm Academy of Fine Arts, Vienna -41484550006+7

Lucas Cranach the Elder

Beheading of St. John with self portrait, Martyrdom of St. Catherine,1531 Oil on wood, 84 x 58 cm Obbresni Museum Kromeriz, Arcbiscopic Olomouc CZR

Erzbischofliches Palais Kremsier, Tschechien

2264410340487000All motives are described on cda Cranach Digital Archives, Stiftung Museum Kunstpalast DQsseldorf -4995545-250190008

Lucas Cranach the Elder

Self portrait, 1530 Oil on wood, 45 x 36 cm Castle of Stolzenfels,

Rhineland Palatinate

Schloss Stolzenfelz bei Koblenz, Rheinland-Pfalz

-5379720-323215009

Lucas Cranach the Elder

Banquet of Holofernes with self portrait,1531 Oil on wood, 98,5 x 72,5 cm Foundation of Castle of Friedenstein,

Gotha, Thuringa

-4779010-2108200010

Lucas Cranach the Elder

Martin Luther asKnight George (Junker Jorg), 1521

Oil on wood, 33,5 x 25,3 cm Museum of Fine Arts, Leipzig -4811395-3397250011

Lucas Cranach the Elder (workshop)

Martin Luther, 1528

Oil on wood, 36,2 x 26,2 cm

House of Luther, Coll. Augustin, Wittenberg vesatgurtg ш bocMobw(rt&

kircben alter baiUgen 5U

wttmwurg

4157980-209550012

Lucas Cranach the Elder

Double portrait of Frederick the Wise and John the Constant on the title of Wittenberg's Collection Book of Relics, 1509 Woodcut 13,2 x 11,8 cm Castle Wolfegg Lucas Cranach the Elder

Prince Elector Joachim I. Nestor of Brandenburg, 1529

Oil on wood, 64 x 42 cm

Castle Johannisburg, Bavarian State Coll. of

Paintings Lucas Cranach the Elder Prince Elector Cardinal Albrecht of Brandenburg, around 1525

Oil on wood, 158 x 112 cm

Old Pinacotheque, Bavarian State Coll. of

3803650-39560500Paintings

15+16

(32+33)

Lucas Cranach the Elder

Martin Luther(Variations) 1520 Copper engraving 13,8 x 9,7 cm

Graphic Collection Alberztina, Vienna

Museum of the Castle of Weimar 17+18

(34+35)

Lucas Cranach the Elder

Martin Luther, 1520, 1521

Copper engraving 16,5 x 11,5 cm State Graphic State Coll., Munich

4036695-2933700040970202877820006448425288163000Copper engraving 20,5 x 15 cm Graphic Collection Alberztina, Vienna Lucas Cranach the Elder

Coloured Sketch of Martin Luther

Water colour, pencil on pergament, 22 x 19 cm

Drumlanrig Castle, Thornhill 20+21

Lucas Cranach the Elder

Pierced Sketch of Martin Luther Pierced Sketch of Katharina von Bora Pencil on pergament, 40 x 28/30 cm Copper Engraving Cabinet, Berlin

3383280-1276350034137602524125005723890255778000All motives are described on Corpus Cranach - Cranach Werkverzeichnis Stuttgart -Trier - Heidelberg (Cranach Research Institute) Lukas Cranachthe Elder

Martin Luther as Knight John (Junker Jorg)

Copper Engraving, 28 x 20 cm

3538855-47498000State Library Bamberg

219710127000023+24

Lucas Cranach the Elder

Martin Luther and Katharina von Bora, wedding

portrait, 1525

Oil on wood, 10 x 10 cm

Art museum, Basel, Switzerland

149225-2984500023+24

Lucas Cranach the Elder

Martin Luter and Katharina Lutterin (von Bora), serial portrait, around 1526 Oil on wood, 21,5 x 15,5 cm Hamburg, Private Estate

135890-539115004481830-5422900025+26

Lucas Cranach the Elder

Banquet of Holofernes with self portrait,,1531 Oil on wood, 98,5 x 72,5 cm Foundation of Castle of Friedenstein,

Gotha, Thuringa 27

Lucas Cranach the Elder or the Younger

Self Portrait, 1550

Oil on wood, 67 x 49 cm

3726180-4508500Galleria degli Ufficie, Florence, Italy

105410-3257550028

Lucas Cranach the Younger

Crucifixion with Allegory of Redemption

Epitaph Altarpiece for John Frederick the

Magnanimous, 1555

Oil on wood, 67 x 49 cm

Ev. Luth. Community of St. Peter and St. Paul,

City Church of Weimar Sammlung von zuletzt 21441 Reliquien, die jahrlich im Neuen Stift in Halle an der Saale, die Marburger mit der Mainzer Sammlung vereinigend, Zentrum einer qffentlichen Prunkentfaltung in Form einer Messe waren, fbhrte Lucas Cranachs Werkstatt zwischen 1519 und 1525 den GroHauftrag eines Heiligen- und Passionszyklus von 142 begleitenden Gemдlden aus. Zeitgleich entstanden 1520 ein Kupferstich Albrechts, heute in Braunschweig, und mehrere Portrдtsgemдlde Albrechts als Heiliger Hieronymus.

Was die Ausgestaltung von Bildprogrammen betraf, war Lucas Cranach gewiss ein sehr gebildetes Gegenbber, das bber reichlich praktisch-theologische und auch humanistische Erfahrung verfbgte sowie des Lateinischen mдchtig war. Dennoch ist auch sein Ratsuchen schriftlich belegt. In Luthers Tischgesprachen von 1533 ist laut Andreas Tacke die Nachfrage des Malers bei Doktor Martinus aufgefbhrt, welche typologische Entsprechung im Alten Testament fbr Christus im ^garten stbnde. Jener antwortete, es handele sich um David und Saul. Diese Thematik sei denn des qfteren in den Auftragen des Kardinals Albrecht zu finden. Wobei generell angenommen werden darf, dass bei einem WerkstattsgroHauftrag, der bber Jahre lief, die Arbeit im Wittenberger Atelier vor den Reformatoren nicht verborgenen werden konnte. Vor allem der Berliner Auftrag wirft Fragen auf: Durch Joachim I. begonnen, aber erst von seinem Erbfolger Joachim II. vollendet, wurde er in den Jahren 1537/38 fertig gestellt. Das war genau ein Jahr, bevor dieser 1539 die reformierte Lehre einfbhren lieH, fbr welche fbr seine danische GroHmutter 1528 noch auf der Flucht vor ihrem Mann nach Wittenberg war und wohin ihr Bruder, der danische Kqnig Christian II. ebenfalls Zuflucht gesucht hatte.

Auf anderem Gebiet konkurrierten die Herrscher ebenfalls in sportlicher Manier: Friedrich nahm 1502 die Universitatsgrbndung in Wittenberg vor, nach kurzem Wbten der Pest folgte erst 1511/12 die dazugehqrige Bibliothek. Joachim I. beteiligte den Bruder Albrecht 1505/06 an der Grbndung der Universitat in Frankfurt an der Oder. Die Universitat Mainz war bereits 1477 gegrbndet worden; hier regte Albrecht Veranderungen an. Beide Kurfbrsten hatten trotz ihres Altersunterschiedes eine auffallige Verbindung in Ihrer taglich gelebten Frqmmigkeit, in ihren mehr dynastisch-juristischen Standeskenntnissen, gbnstige Vereinbarungen mit Kaiser und

Papst betreffend, als eigenem theologisch-humanistischen Wissens. Beide unterhielten einen gewissen Austausch mit Erasmus von Rotterdam, der ebenfalls eine Kirchenreform anregte, nur Friedrich traf mit ihm am 25.11.1520 zur Beratung bber seinen aufrbhrerischen Universitatsprofessor Martin Luther zusammen, wie Erasmus in seinen Briefen festhielt. Sogar im Privatesten findet sich eine Deckung in der Tatsache, dass beide Fbrsten nie heirateten. Der Bischof konnte dies freilich nicht, doch beide Manner lebten nicht ohne ^fentliches Missfallen mit namentlich bekannten Konkubinen und illegitimen Nachfahren zusammen. Friedrichs dynastische bberlegungen bezogen sich auf den jbngeren Bruder, dem er sich in allen Entscheidungen sehr verbunden fbhlte und aus dessen Familie die Erbfolge hervorging. Seien es Bibliotheksankaufe, Kunstsammlungen, das mazenatische Unterstbtzen von Literaten oder Humanisten, sogar die Universitatsgrbndung dieser beiden Kurfbrsten steht unter dem Eindruck der Selbstdarstellung, der Verk^perung von Herkunft, Stand und Familie, kurz dem Bewusstsein ihrer hervorragenden Stellung im Deutschen Reich, als zwei unter sieben Kurfbrsten. Als im Januar 1519 Kaiser Maximilian im Sterben lag, trafen sich die beiden Konkurrenten, die ein jahrliches, formales, in den Protokollen vermerktes, Gerangel bber den jeweiligen Vorsitz an allen Reichstagen unterhielten, als Reichserzmarschall der Sachse und Reichserzkanzler der Brandenburger. Sie scheuten sich nicht, anlasslich Friedrichs gleichzeitiger, ausgedehnter Geburtstagsfeier in Torgau zur gemeinsamen Jagd und Aussprache bber die anstehende Kaiserwahl aufeinander zu treffen.

Im Fazit lasst sich feststellen, dass die Zeit nach dem Abschluss des Tridentiner Konzils von 1563, womit auch eine geeinte bildliche Gegenwehr des Katholizismus in Form der Gegenreformation auf den Plan gerufen worden war, wesentlich scharfere Aufgabentrennungen bei bildenden Kbnstlern n^ig machte. Die verwandtschaftlich-dynastischen Anbindungen erlaubten in all den Jahren zuvor ein kurfbrstliches Leihen des Hofmalers an andere H^e, zu denen eine traditionelle Verbindung bestand. Sogar der Reformator selbst konnte zu Themen befragt werden, die seine Bildvorstellungen wohl nicht im gleichen Sinne einschlossen wie die der Glaubensgegner. Andreas Tacke fbhrt hierzu eine These an, dass sich oft auch noch eine Mehrdeutigkeit gleicher Bildsujets auftut. Es entscheide die Kontextforschung, ob ein Auftrag altglaubig oder reformiert aufgefasst wurde. Tacke folgert weiter: dass „...Glaubenspositionen auЯer auf der theologisch-intellektuellen

Ebene...auch mittels der bildenden Kunst gefbhrt werden mussten, jenem Medium also, welches den Schriftunkundigen bereits seit Jahrhunderten - mehr als das geschriebene Wort - Halt im relig^sen Leben gegeben hatte. Ein Argument, gegen das sich Martin Luther niemals gestellt hatte.

Bedeutung des seriellen Portrats um 1500: Luther und das Bild „on

Sund“

Die Kenntnis, die wir von Martin Luthers Aussehen heute haben, stutzt sich ganzlich auf die Bildnisse von Lucas Cranach. In welchem Zusammenhang steht diese Form des Portrats in seiner Zeit? Ahnlich dem haufig eingefUgten Stifterportrat, setzten sich auch die Maler seit dem ausgehenden Mittelalter als Selbstbildnis in diesen Kontext. Zuweilen war es eine gesamte Stifterfamilie, die einen bestimmten Heiligenaltar fur eine der Seitenkapellen in Auftrag gegeben hatte und sich hinter die Glaubensinhalte Ihres Auftrages stellte, so wie dafUr auch sichtbar wahrgenommen werden wollte. Zunachst bestimmte eine gewisse Bildniswbrdigkeit der Person den Auftrag zum Portrat; sie war im Bereich der Malerei lange nur dem Adel und der hohen Geistlichkeit vorbehalten. In der beginnenden Neuzeit erleben wir eine mediale Revolution durch die an Bedeutung gewinnende, verbesserte Drucktechnik. Das Flugblatt wurde Nachrichtentrager, aber auch Pamphlet. Es beflbgelte die Abbildung des Bbrgers, vor allem, wenn er durch besondere Eigenschaften oder Leistungen hervortrat. Dies hatte wiederum Rbckwirkung auf das gemalte Bildnis. Zuweilen ist die Handhabung von in Klapprahmen verborgener Bildnisse, genutzt wie ein Album, die in Truhen aufbewahrt wurden und nur zu Andachts- oder Gedachtniszwecken hervorgeholt wurden durch Beispiele in Holzschnitten belegt. An die Wand gehangte Bildnisse befanden sich hier vollig in der Minderzahl, sie dienten vereinzelt der Standesdarstellung eines zeittypischen Interieurs. Ob Bilder wirklich an der Wand hingen, bezweifelt die Forschung jedoch. Des Kbnstlers Selbstportrat wurde erst im Humanismus vom aufkeimenden Standes- und Selbstbewusstsein einzelner KQnstlerpersonlichkeiten haufiger.

So verwundert es nicht, dass die serielle Produktion der Luther-Portrats, im Medium der Druckgraphik begann. Jedoch wahlte Cranach 1520 den hochwertigeren Kupferstich, eine Technik, die in seiner Zeit formal vor allem durch den NUrnberger Malerkollegen Albrecht DQrer perfektioniert wurde. Oft nahm sich Cranach Anleihen von DQrer, zwischen beiden ist ein gelegentlicher Austausch auch nachweisbar. Dagegen pragten Cranachs Luther-Stiche das allgemeine Luther-Bild in der Welt. Sie dienten als Vorlagen fQr andere KQnstler wie auch als jahrelange Muster innerhalb der eigenen Werkstatt. Die optimale Formfindung dauerte eine gewisse Zeit, die ersten Portrats zeigten den geachteten Monch mit dem, die eingefahrenen Gewohnheiten umstQrzenden, in er Sache unbeugsamen Blick. Einen kampferischen Charakterkopf von ungeschonter, unbequemer Kantigkeit. Wenn mqglich, muss es auch Vorzeichnungen nach der Natur gegeben haben. Diese erhielten sich in Luthers Umfeld auch in Handzeichnungen (Ol und deckenden Farben auf Papier) von 1527, nach der Cranach die Gedachtnisbilder von Doktor Martinus Vater und Mutter, nach dem Ableben der beiden mit einer Inschrift versehen, geschaffen hatte. Es handelt sich um die Portrats in der Eisenacher Wartburg-Stiftung. Es gibt eine Anzahl vergleichbarer Portratstudien, die Cranachs Meisterschaft in dieser Zwischenform der kolorierten, skizzenhaften Zeichnung verraten. Jede seiner rein malerischen AusfQhrungen, mit der einen, starksten Ausnahme seines Stolzenfelser Selbstbildnisses, wirkt linearer und flachiger. Sie ruft in der Literatur oft die Diskussion der Werkstattbeteiligung auf den Plan. Auch im Falle des Reformators hatte gewiss nicht nur eine solche Skizze als Grundlage der vielen Bildnisvarianten existiert. Aus verschiedenen Motivphasen haben sich Vorzeichnungen als punktierte Pausen zum Zweck der Vervielfaltigung erhalten. Wir kennen drei Kupferstiche, die Martin Luther als Augustinermonch in der Kutte zeigen. Das letzte dieser Serie zwischen 1520 und 1521 zeigt den Wittenberger Universitatsprofessor mit dem Doktorhut im Profil, was sich von Medaillendarstellungen ableitete und in mehrfacher Hinsicht eine Kanonisierung der motivischen Erfindung wie auch des Portratierten ausdrQckte. Ein gebildeter, anerkannter Mann, kein vogelfreier Ketzer. Kutte und Doktorhut wurden auch fQr ein Gemalde des Zeitraumes bis 1524 gewahlt, anschlieftend legte Luther das Ordensgewand ganz ab. Zwischenzeitlich lieferte Cranach 1522 die Vorlage fQr einen ausgezeichneten Holzschnitt. Er zeigte einen zivilen Luther, welcher der noch ungesicherten Zeit der Schutzhaft bereits einen Zuversicht ausstrahlenden „Junker Jorg" entgegensetzte. Auch dieses Motiv wurde als Bildtafel in Malerei umgesetzt. 1525 markierte schlieftlich das Jahr von Luthers Heirat, welches einen ganzlich neuen Bildnistyp erforderte und auf den Markt brachte. Es gab in der frnhesten Form von 1525-26 kleine runde Plaketten mit 10 cm Durchmesser, die als Erinnerungsbild den eigentlich privaten Moment der Verm дhlung eines die Wahrheit predigenden ehemaligen Monchs mit einer ehemaligen Nonne in serieller Form offentlich machen. Sie bezeugten gleichsam die korrekte Ubersetzung des 1. Timotheus-Briefs an Paulus aus dem Griechischen. Somit waren alle nachfolgenden, sichtlich privaten Tafelbildnisse des Ehepaars Luther das Postulat einer neuen Privatheit von Kirche, die im personlichen Verhaltnis zu Gott ihren Ausdruck fand. Die vielfachen Varianten, stets einander zugewandter Brustbildpaare, die in Wellen um 1525-26, 1528-30, 1534, 1537 und 1543 in stets ahnlicher Farbigkeit, schwarzer Kleidung vor blaulichem oder grQnlichen Hintergrund gefertigt wurden, erschlossen keine ganzlich neue Ikonografie. Sie variierten in der Frage, ob mit oder ohne Kopfbedeckung, in Form der humanistischen Kappe, dem Barett oder von Haube mit Kinntuch dargestellt wurde. Eine Variation wies das humanistische Freundschaftsbildpaar von ca. 1532 auf. Hier alternierte der Platz der Gattin mit dem Wegbegleiter Philipp Melanchton, der seinerseits seit 1520 verheiratet war. Die Verbreitung erfolgte Qber die FQrstenhauser. So war bereits Friedrich der Weise ein Abnehmer und Verbreiter der Bibeln und Stiche, wie Rechnungen von Lukas Cranachs belegen.

Die Flut der seriellen Bildnisse geht also auf einen fest gelegten Grundtypus zurnck, der anders als das private Andachtsbild der Altglaubigen keiner contemplatio und Versenkung oder sogar Anbetung dienen sollte. Dies ware Missbrauch des Bildes. Die Serien zeigten die Reformatoren im Einzelbildnis als mutige und durchdachte Streiter fQr ihre gerechte Sache, zum Teil noch mit lateinischer Inschrift, nach 1525 mit der deutschen.

Als in Wittenberg durch Karlstadts Predigten ein Bildersturm ausge^st worden war, fasste Luther seine Argumente von 1522 erstmals in seiner Schrift „Eyn brieff an die Fbrsten zu Sachsen von dem auffrurischen geyst", Wittemberg, 1524 auf der Seite C Illf. zusammen. Christoph Weimer vertritt die Meinung, erst Karlstadts ikonoklastischer Vors^ Luther zum Thema Bild Stellung nehmen. Erst die Auseinandersetzung brachte seine Meinung hervor. Eine gesammelte Bilderlehre fehlt, Luthers Kommentare sind weit gestreut. Weimer fbhrt sehr konkret Luthers Bildverstandnis aus, diskutiert den Missbrauch der Bilder ebenso wie das Mehrfachnutzen den Bilder stiften, so spricht Luther ebenfalls das Bild an sich, welches „on Sund sey". Nicht das Bild an sich werte Luther, sondern den Bildgebrauch: „Non est disputatio de substantia, sed usu et abusu rerum." .

Schluss: Dem Fursten treu verbunden

Die Diskussion, inwieweit Lucas Cranach durch das Interpretieren der neuen Lehren seines engen Zeitgenossen Martin Luthers selbst einen Kanon fQr eine reformatorische Kunst, so auf seinen spateren Altarwerken, die von seinem die Werkstatt fQhrendem Sohn wie fortgesetzt erscheinen, schuf, werden hier ausgeschlossen. Dies geht Qber die Beziehung von Cranach und Luther weit hinaus und eroffnet eine eigene Rezeptionsgeschichte, die bei Christoph Weimer dokumentiert ist.

Ich m^hte zum Schluss ein Bild wieder zu Wort kommen lassen, dass vielleicht kein ausgesprochen typisches Beispiel fbr die autorisierten Bildtypen ist, von denen Luther in seinen Werken immerhin spricht. Doch die 1531 entstandenen Gothaer Tafeln vom Gastmahl des Holofernes beinhalten die Gestalt Cranachs und haben einen protestantischen Inhalt. Sein Selbstportrat ist auf den Gothaer Tafeln nicht wesentlich, es ist wie ein Kommentar zu verstehen. Die kleine Darstellungsproportion von 2-3 cm wiederholt hier genau den Ausschnitt, der vom Stolzenfels-Bildnis her bekannt ist. Werner Schade, betonte hier die deutliche Zeigegeste, mit der Cranach am aufterten linken Bildrand in die Handlung weist. Diese Geste wird, in Tischhohe von der rechte Seite her, etwas in den Falten des Gewandes einer hellblau gekleideten Figur entgegnet. Beide grenzen die zentrale Bildhandlung der Tafel ein, die Aufopferung der Judith, im Zeichen ihres rechten Glaubens sich dem Feind und gegnerischen Feldherren Holofernes an eine Tafel zu setzen, UnterwQrfigkeit vorzuspielen, um Sicherheit vor dem bevorstehenden Angriff und der drohenden Unterwerfung ihres kampfesschwachen Volkes zu erlangen, indem sie dem Feind eigenhandig das Leben. Doch nicht nur auf diese Handlung weist des Malers Hand. Flachig betrachtet deutet sie auch auf den Baum, der sich, markiert durch Datum und Signatur, in zwei fruchtbehangene Aste gabelt. Das Motiv

k^nte auf die beiden Дste des Christentums deuten. So, wie die in der bildenden Kunst genannte Typologie die Entsprechung von Passagen des Alten mit dem Neuen Testament anzeigt, k^nten hier auf den bestehenden Katholizismus und den parallel dazu sich auspragenden Protestantismus gewiesen werden. Dem alten Baumteil ist ein neuer, bereits erstarkter und frbchtetragender hinzugesetzt. Damit ware dies als bildliches Postulat des sachsischen Auftraggebers auf die Anerkennung der theologischen Erneuerung durch Cranachs Vertrauten Martin Luther zu lesen. Zum anderen unterstbtzt dies genau die Aussage Schades, die Judith als „Schutzpatronin" des 1530 im thbringischen Schmalkalden gegrbndeten Bundes der protestantischen Fbrsten zu sehen. Vor 1530 sind keine Judith- Darstellungen von Lucas Cranach zu finden, seitdem sehr viele, zumeist Einzeltafeln. Sie ist laut einer Gothaer Ausstellung dieses Jahres Stellungsnahme fbr das, unter den Protestanten juristisch umstrittene Widerstandsrecht gegen den Kaiser Karl V., der zu dieser Zeit Krieg gegen Frankreich und die Osmanen vor Wien fbhrte. Er erfbllte seine Position als Schutzherr Roms und des alten Glaubens als Obrigkeit in der weltlichen Herrschaft. Sich ihm entgegenzustellen, hieЯe, sich Gottes Ordnung entgegenzusetzen. Der kursachsische und hessische Wille zum Aufbegehren artikulierte sich in diesem zeitgleich entstandenen Doppelbild, das die theologischen Argumente vielmehr politisch einzusetzen suchte. M^licherweise begleitete es die Vertragsunterzeichnung in Schmalkalden vom 27.2.1531, dem fast alle

Unterzeichner der Confessio Augustana beitraten.

Das vorderste Ziel Lucas Cranachs lag wohl in der materiellen Unabhangigkeit, die er als angesehener Bbrger auch politisch zu benutzen wusste. 1547, ein Jahr nach Luthers Tod, nahm Cranachs Tatigkeit als Hofmaler ein vorlaufiges Ende, als KurfQrst Johann Friedrich I. nach Reichsacht und dem daraufhin begonnenen Schmalkaldischen Krieg in der Schlacht bei MQhlberg von Kaiser Karl V. abgesetzt und gefangengenommen wurde. 1550 folgte Cranach seinem Herrn z^erlich ins Exil nach Augsburg und Innsbruck. Die immer wiederkehrende Pest in Wittenberg mochte diese Entscheidung beeinflusst haben. Er kehrte dadurch jedoch auch wieder in den Hofdienst zurbck. 1552 hatte sich das Blatt gegen Karl V. gewendet, Johann Friedrich erhielt seinen Fbrstentitel fQr die ThQringer Landesteile durch den amtierenden Kurfbrsten Moritz von Sachsen zurnck. Wittenberg war belegt, neuer Residenz- und Aufenthaltsort Cranachs wurde Weimar, wohin zeitweilig auch die Familie Cranachs d. JQngeren zog. Dort starb der Altere am 16. Oktober 1553. Als Hi^hepunkt der Reformationsaltare aus der Cranach-Werkstatt gilt der Flbgelaltar von 1555 in der Weimarer Stadtkirche St. Peter und Paul. Der jbngere Cranach vollendete ihn zwei Jahre nach dem Tod des Vaters in der Thbringer Residenz. Die Mitteltafel zeigt zur Rechten des Kreuzes den betenden Lucas Cranach neben Martin Luther, der in seine Bibel weist, und bekraftigt damit nachhaltig den politischen Anspruch der sachsischen Fbrsten als protestantisches Herrscherhaus.

Literatur

Aldenhoven, Carl: Katalog der Herzoglichen Gemaldegalerie im Herzoglichen Museum zu Gotha, Gotha 1890

Decot, Rolf: Kleine Geschichte der Reformation in Deutschland, Herder, Freiburg im Breisgau 2005

Dblberg, Angelica: Privatportraits. Geschichte und Ikonologie einer Gattung im 15. und 16. Jahrhundert. Dissertation 1985, Berlin 1990.

Fbssel, Marian: Talar und Doktorhut. Die akademische Kleiderordnung als Medium sozialer Distinktion, in: Barbara Krug-Richter / Ruth Mohrmann (Hg.): FrQhneuzeitliche Universitatskulturen. Kulturhistorische Perspektiven auf die Hochschulen in Europa, Koln u.a. 2009, S. 245-271.

Immenk^ter, Herbert: Albrecht von Brandenburg und Friedrich der Weise. Ein Weg zu zwei Zielen. In: Tacke, Andreas (Hg.): Cranach. Meisterwerke auf Vorrat. Die Erlanger Handzeichnungen der Universitatsbibliothek, Bestands- und Ausstellungskatalog, 17.6.-31.7.1994, Erlangen-Nbrnberg

Kraus, Petra: Die Selbstbildnisse Lukas Cranach des Д^гсп im Kontext des Kbnstlerbildes um 1500. Unver^entlichte Magisterarbeit an der Ludwigs- Maximilians-Universitat Mbnchen, Mbnchen 1995.

Schade,Werner: Das unbekannte Selbstbildnis Cranachs; in: Dezennium 2, Zwanzig Jahre VEB Verlag der Kunst Dresden, 1972, S. 368-375.

Tacke, Andreas: Mit Cranachs Hilfe. Antireformatorische Kunstwerke vor dem Tridentiner Konzil. In: Brinkmann, Bodo (Hg.): Cranach der Д^ге. Austellungskatalog, Ostfildern 2007.

Tacke, Andreas: Der Hallenser Heiligen- und Passionszklus und die Erlangener

Cranach-Zeichnungen. In: Tacke, Andreas (Hg.): Cranach. Meisterwerke auf Vorrat. Die Erlanger Handzeichnungen der Universitatsbibliothek, Bestands- und Ausstellungskatalog, 17.6.-31.7.1994, Erlangen-Nbrnberg

Weimer, Christoph: Luther, Cranach und die Bilder. Gesetz und Evangelium - SchlQssel zum reformatorischen Bildgebrauch, Stuttgart 1999

Link:

www.reformation-bild-und-bibel.de/das-themenjahr/

Ausstellungen:

„Bild und Botschaft. Cranach im Dienst von Hof und Reformation". Die Ausstellung des Herzoglichen Museums Gotha, 29.3.-19.7.2015 steht im Kontext des Luther- Themenjahres 2015.

Tacke, Andreas (Hg.): Cranach. Meisterwerke auf Vorrat. Die Erlanger Handzeichnungen der Universitatsbibliothek, Bestands- und Ausstellungskatalog, 17.6.-31.7.1994, Erlangen-Nbrnberg

Grimm, Klaus (Hg.): Lucas Cranach: ein Maler-Unternehmer aus Franken. Landesausstellung Festung Rosenberg, Kronach 17.5.-21.8.1994. Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg 1994

Koepplin, Dieter; Falk, Tilman (Hg.): Lukas Cranach. Gemalde,Zeichnungen, Druckgraphik. Kunstmuseum Basel 15.6.-8.9.1974, Basel, Stuttgart 1974 УДК 75.03


Petra Kraus





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